Einheimische Kräuter gegen Atemwegs-Infekte
Winterzeit ist Erkältungszeit. Das kalte und oft nasse Wetter belastet das Immunsystem. Viren und Bakterien sind die Verursacher von Atemwegs-Infekten, die zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen gehören. Obwohl meist viral bedingt, werden in vielen Fällen Antibiotika verschrieben, was unliebsame Folgen haben kann.
Betroffen ist meist der obere Atemwegstrakt. Man bezeichnet die entsprechenden Krankheitsbilder mit Rhinitis, Sinusitis, Pharyngotonsillitis, Laryngitis. Oft sind aber auch die unteren Atemwege beteiligt. Dann handelt es sich um Bronchitis und Pneumonie.
Antibiotika-Behandlung oft nicht adäquat
Obwohl heute nur bei weniger als einem Prozent aller PatientInnen mit Atemwegs-Infektionen untersucht wird, welcher Art der ursächliche Erreger ist, verschreiben Ärzte in etwa 60 Prozent aller Fälle trotzdem Antibiotika zur Behandlung. Und das, obwohl der überwiegende Teil dieser Infektionen viral verursacht ist.
Eine ungezielte Antibiotika-Therapie kann zu allergischen Reaktionen führen und beeinträchtigt die Darmflora und die des Nasen-Rachen-Raumes. Werden Patienten wiederholt mit Antibiotika behandelt, kann es zu Resistenzneigung und zu Verschiebungen der normalen Flora zugunsten pathogener Keime kommen. Dadurch wird die antibiotische Therapie selbst zur Ursache von Rückfällen (Rezidiven).
Bei der Behandlung von Infekten der oberen Atemwege geht es vor allem um die laufende oder verstopfte Nase, den Husten, Kopfschmerzen und Halsweh. Darüber hinaus sollen mögliche langfristige Folgen wie Erkrankungen der Nebenhöhlen, des Mittelohrs und der unteren Luftwege verhindert werden.
Grippe (Influenza)?
Typisch für eine Influenza-Erkrankung ist, dass das Fieber am Beginn plötzlich auftritt und rasch Werte von 38 bis 40 Grad Celsius erreicht. Es kann drei bis vier Tage anhalten. Charakteristische Symptome sind dann Fieber und Gelenkschmerzen als Zeichen der Immunantwort des Organismus.
Schonen sich Grippe-Patienten heute meist noch, indem sie das Bett hüten, so gehen viele Menschen mit “normalen” Erkältungen eher leichtfertig um. Und wenn nötig, werden Medikamente eingenommen, um die Symptome zu lindern und schnell wieder leistungsfähig zu sein.
Stärkung der Abwehr und Selbstheilungskräfte
Die Chinesische Medizin hat schon seit 2000 Jahren sehr genaue Vorstellungen über den Verlauf von Erkältungen und Atemwegs-Erkrankungen. Dabei wird hervorgehoben, wie wichtig eine direkte Behandlung ist. Denn ein nicht vollständig ausgeheilter Infekt neigt dazu, chronisch zu werden. Im weiteren Verlauf kann sich daraus eine Vielzahl schwerer Erkrankungen entwickeln.
Besondere Bedeutung hat dabei die allgemeine Konstitution und im Besonderen die Abwehr-Energie, die vor “Wind-Erkrankungen”, so die chinesische Bezeichnung für bakterielle und virale Atemwegs-Erkrankungen, schützen soll. Die moderne schnelllebige Zeit misst diesem Zusammenhang wenig Bedeutung zu. Stress, Überlastung, wenig Schlaf und zu kurze Erholungszeiten begünstigen die Verschleppung und Verschlimmerung von Infekten, wie auch das Entstehen von anderen chronischen Erkrankungen.
Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Übergehen Sie nicht die ersten Anzeichen einer Erkältung, sondern treffen Sie umgehend Maßnahmen zur Behandlung.
Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und unterstützen Sie Ihre Selbstheilungskräfte, die sich mit der von Außen einwirkenden krankmachenden Energie auseinandersetzen. Verzichten Sie auf Medikamente, die schnelle Linderung versprechen, und behandeln Sie Ihre Erkältung mit Kräutertees.
Eine solche Behandlung hat bei akuten unkomplizierten Atemwegsinfektionen zum Ziel
- die Intensität und Dauer der Symptomatik günstig zu beeinflussen,
- die Immun-Abwehr zu stärken und
- einer Keimbesiedlung der Schleimhäute des Atemtraktes entgegenzuwirken.
Damit schaffen Sie eine gute Ausgangsposition für die nächste “Erkältungszeit“ und haben die Möglichkeit, chronischen Krankheitsprozessen wirksam entgegen zu treten.
Vorbeugung und erste Behandlung mit Hausmittel
- Spülen Sie bei ersten Anzeichen von Halskratzen, Heiserkeit jede 2 Stunden und besonders nach dem Essen den Mund mit JHP-Öl (Japanisches Heilpflanzen-Öl, in der Apotheke oder Drogerie erhältlich): 4-5 Tropfen in eine normale Kaffeetasse geben, sehr warmes Wasser darüber gießen, schluckweise den Mund ausspülen, nur leicht gurgeln und ausspucken. Wiederholen Sie das, bis die Tasse leer ist.
- “Kauen” Sie Öl: Morgens nüchtern 1 - 2 EL Sonnenblumenkern-Öl oder Sesam-Öl gut 10 Minuten ständig im Mund bewegen, ohne es zu schlucken, dann in die Toilette (!) spucken, Mund mit warmem Wasser ausspülen, danach Zähne putzen.
- Nehmen Sie abends ein heißes Bad (soweit kreislaufmäßig verträglich), legen Sie sich anschließend mit Wärmeflasche so lange unter eine Wolldecke, bis Sie am am ganzen Körper leicht (!) schwitzen. Brechen Sie dann das Schwitzen ab, wechseln die Kleidung und legen sich normal zum Schlafen.
Bestehende Atemwegs-Infektion mit Kräutern behandeln
Sollten Sie die ersten Anzeichen nicht oder zu wenig beachtet haben, und besteht schon seit mehr als drei Tagen eine Erkältungskrankheit mit Halsschmerzen und beginnendem Husten, dann können Sie mit folgender Rezeptur versuchen, Ihre Erkältung zu behandeln:
In einer Tüte (I):
Spitzwegerich (Hb.Plantaginis lanc.), 30 g
Huflattich (Fol. Farfarae), 20 g
Schachtelhalm (Hb. Equiseti), 20 g
In einer Tüte (II):
Lindenblüten (Flos Tiliae), 15 g
Salbei (Fol. Salviae), 20 g
Menge ungefähr für eine Woche. 2 gehäufte EL der Mischung aus Tüte I in 1 Liter Wasser 20 min. köcheln, danach 1 EL der zweiten Mischung (Tüte II) hinzufügen und 15 min neben der Herdplatte zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und in einer Thermoskanne warm halten. In drei Portionen über den Tag verteilt schluckweise trinken.
Ergänzungen: Wenn die Neigung zu Tonsillitis (Mandelentzündung) besteht, können Esberitox®-Tabletten eingenommen werden. Darin sind Baptisia, Echinacea und Thuja enthalten.
Wenn Sie zu Husten mit gelbem Schleim neigen, in der Chinesischen Medizin ein Zeichen von „Hitze“, dann sollte die Rezeptur mit folgenden Kräutern ergänzt werden:
Eibisch (Rad. Althaeae), 20 g
Königskerzenblüten (Flos. Verbasci), 7 g
1 gestrichenen TL Eibischwurzel mit köcheln.
Königskerzenblüten mit den Lindenblüten nach dem Kochen hinzugeben.
Bei Unsicherheit oder Verschlimmerung der Atemwegs-Infektion suchen Sie bitte einen Heilpraktiker oder Arzt auf.
Helmut Magel, Heilpraktiker und TCM-Therapeut in Wuppertal, www.helmut-magel.de
Schulleiter Pädagogik und Konzeption der August-Brodde-Schule


