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Patientenwegweiser

Klassische Akupunktur – ein heilsamer Stich

Akupunktur ist die sicherlich bekannteste und faszinierendste Behandlungsmethode in der TCM. Da wird kein Medikament gespritzt, da wird nichts herausgeschnitten ...und trotzdem hilft es! Bis heute weiß man nicht genau, wie die Akupunktur aus schulmedizinischer Sicht wirkt. Erwiesen ist, dass Akupunktur die Produktion von körpereigenen Morphinen, sprich Endorphinen, und von Serotonin anregt - das wäre eine Erklärung für die allgemein schmerzlindernde und entspannende Wirkung. Auch kann man die Schmerzempfindlichkeit in speziellen Gehirnbereichen durch Nadelreize am Körper herabsetzen. Über eine Reflexwirkung werden durch die Akupunktur innere Organe beeinflusst. Und die Freisetzung von Wachstumshormonen ist eine Erklärung für die Anregung der Selbstheilungskräfte. Auch wenn man vieles noch nicht weiß – dass sie seit Jahrtausenden wirkt, ist eine Tatsache!

Die Klassische Akupunktur nutzt das Leitbahnsystem des gesamten Körpers, nutzt die Erfahrung und das Wissen, dass auch der Fuß etwas mit dem Kopf und der Bauch etwas mit dem Denken und Fühlen zu tun hat. Alles ist miteinander vernetzt – und so behandelt Sie ein klassisch arbeitender Akupunkteur mit meist wenigen gezielten Nadelstichen – nachdem er sich in einem gründlichen Gespräch und durch Puls-Zungendiagnose ein Bild von Ihrer gesamten Energetik gemacht hat.

Über die Nadelung eines Akupunkturpunktes wird dann ein Impuls ausgelöst, der auch weit entfernt vom Ort des Einstichs das Qi bewegt, der Blockaden auflösen, kräftigen oder ableiten kann. Wenig Nadeln wirken eher kräftigend und anregend, mehr Nadeln zerstreuend und ausleitend.

Für die Akupunktur werden dünne Nadeln verwendet, die meist aus Stahl sind, gelegentlich auch aus Gold oder Silber bestehen können. Es gibt auch silikonbeschichtete Nadeln, die den Einstichschmerz vermindern, aber den Nachteil einer möglichen Fremdstoffbelastung durch im Körper bleibende Silikonreste haben.

Die sehr scharfen und dünnen Nadeln werden zügig durch die desinfizierte saubere Haut gestochen. Durch ausgeklügelte Techniken kann der Einstichschmerz dabei deutlich minimiert werden. Keine Angst – dieser kurze Pieks ist nichts im Vergleich zu einer Spritze!

Nicht nur „reinstechen"- es soll auch etwas passieren!
Wenn die Nadel das Qi erreicht hat („De Qi)", zeigt sich das durch ein dumpfes, ziehendes, ausstrahlendes oder elektrisierendes Gefühl. Dieses „Nadelgefühl" wird in unterschiedlicher Tiefe erreicht – je nach Lokalisation des Punktes, Ihrer Sensibilität und energetischen Situation. Wenn der Punkt erreicht ist, kann der Akupunkteur durch Manipulationen das Qi in bestimmte Regionen lenken – so etwa bei Blasenschwäche über einen Punkt am Unterschenkel bis in die Beckenregion. Er kann die Nadel auch zwischendurch bewegen, um das Qi an diese Stelle zu „locken".

Die Nadeln können – müssen aber nicht unbedingt, z.B. bei Kindern und unruhigen Patienten- für einen Zeitraum von 15 bis 30 Minuten belassen werden.

„Dauernadeln" für zwischendurch
Wenn die Punkte zwischen den einzelnen Sitzungen einen zusätzlichen Reiz brauchen, können auch sterile Dauernadeln sehr oberflächlich in die desinfizierte Haut gestochen werden. Sie verbleiben dort mehrere Tage, meist mit Pflaster abgedeckt.

Der große Vorteil der klassischen Akupunktur ist es, dass tatsächlich nur mit den eigenen Energien gearbeitet wird. Auch das Qi Ihres Therapeuten spielt dabei eine Rolle: Es ist wichtig, dass Ihr Akupunkteur einen gesunden und vitalen Eindruck macht und dass Sie sich in der Behandlung insgesamt wohl fühlen. Das bedeutet auch, dass Ihnen der Ablauf in der Sprechstunde liegen und Ihnen die Räumlichkeiten und Mitarbeiter sympathisch sein sollten

Gibt es eigentlich nicht – wenn man von seltenen kleinen Blutergüssen absieht. Die extrem seltenen gefährlichen Zwischenfälle waren immer durch falsche Technik oder unzulängliche Kenntnisse zu erklären. Der „Nadelkollaps", also ein Absacken des Kreislaufs, kann bei Behandlungen im Sitzen oder gar Stehen bei sehr ängstlichen oder angespannten Patienten auftreten. Auch nach dem Nadeln können bei wenigen Patienten leichte Kreislaufreaktionen zum Beispiel die Fahrtüchtigkeit beeinflussen.

Und Infektionen?
Unsterile Nadeln und unsauberes Arbeiten sind als Kunstfehler zu betrachten! Sorgen Sie sich, dass die Behandlung schmerzhaft sein könnte? Grundsätzlich gilt: je weniger Nadeln, desto besser. In meiner Praxis reichen häufig schon 4 bis 6 Nadeln aus. Bitte beachten Sie: Bei akuten und lebensbedrohlichen Erkrankungen hat die Schulmedizin unbedingt Vorrang!

Die Dauer der Behandlung insgesamt richtet sich danach, wie schwer die Erkrankung ist und wie lange sie schon besteht. Bei Schmerzerkrankungen sollte sich innerhalb von 5 bis 10 Sitzungen eine Wirkung zeigen. Länger bestehende Störungen verlangen eine Behandlungsdauer von Wochen und Monaten. Die gängigen Behandlungsintervalle sind bei akuten Beschwerden 2- bis 4mal, bei chronischen Erkrankungen 1mal pro Woche. Als Prophylaxe sollten Sie 1-bis 2mal pro Monat kommen.

Die einzelne Akupunkturbehandlung dauert meist 15 bis 30 Minuten. Andere Techniken wie Schröpfen, Moxibustion, Guasha und/oder das Setzen von Dauernadeln werden häufig mit der Nadelung kombiniert. Da in der Regel vor jeder Behandlung ein Gespräch mit Puls- und Zungendiagnose geführt wird, kommen Sie auf eine Behandlungsdauer von insgesamt mindestens 45 Minuten.

Die Kosten für die Akupunkturbehandlung (nicht für die zeitintensive Erstanamnese!) betragen pro Sitzung 50 bis 90 € einschließlich Puls- und Zungendiagnose. Die Erstattung durch Privatversicherung und Beihilfestellen ist bei Schmerzerkrankungen meist problemlos. Aber fragen Sie zur Sicherheit vorher bei Ihrer Krankenversicherung nach.

Moxibustion - Wohltuende Wärme

Fußbäder, Sauna, warme Wickel, Sonnenbäder und Bestrahlungen – ist es nicht überaus angenehm, die entspannende und gleichzeitig belebende Kraft der Wärme zu genießen? In der chinesischen Medizin wird die Wärmeanwendung schon seit Jahrtausenden ergänzend zur Akupunktur angewandt: „Stechen und Brennen – Zhenjiu – heißt diese Heilmethode in China. An dem unvergesslichen Geruch des brennenden Moxakrauts kann man hier wie dort eine klassische Akupunkturpraxis erkennen!

Moxakraut ist besonders getrocknetes und fermentiertes Beifußkraut, das auf den Akupunkturpunkten oder in deren Nähe angezündet wird. Die wärmende Wirkung entsteht nicht nur durch die unmittelbare Hitze, sondern auch durch die ätherischen Öle des Moxakrauts. Diese wirken wärmend, austrocknend und verteilend. Die Moxibustion kann also fast immer dann genutzt werden, wenn Wärme als wohltuend empfunden wird. Erfahrungs-gemäß ist sie auch für Allergiker mit Beifussallergie völlig problemlos!

Ihr Therapeut zündet die Moxazigarre mitsamt dem dünnen umhüllenden Papier an und bringt sie zum gleichmäßigen Glimmen. Dann wird er den ausgewählten Akupunkturpunkt oder den Meridian aus geringer Entfernung erwärmen, bis Sie es als zu heiß empfinden oder eine leichte Rötung an der Stelle entsteht. Meist ist dies nach 3 bis 5 Minuten der Fall. Vorsicht, es besteht die Gefahr einer Brandverletzung! Sie müssen auch nicht heldenhaft sein und es so heiß wie möglich aushalten! Gelöscht wird die Glut am besten in einem Gefäß mit Sand oder ungekochtem Reis.
Eine auch für den Hausgebrauch mögliche Variante der eher flächigen, kräftigenden Anwendung der Moxibustion ist der Moxakasten. Er kann zum Beispiel bei Durchfällen oder Menstruationsschmerzen auf den Unterbauch oder bei Lendenschmerzen auf den Rücken gestellt werden.

Moxibustion sollte bei Kindern nur mit größter Vorsicht angewendet werden und gar nicht zum Einsatz kommen, wenn die Sensibilität eingeschränkt ist (zum Beispiel bei Diabetes oder Lähmungen).

Die Moxibustion ist bestens bei Durchblutungsstörungen, Schwächezuständen, Infektanfälligkeit und Alterskrankheiten einzusetzen. . Wärme sollte man jedoch in jedem Fall als angenehm empfinden!

Manchmal kann es notwendig sein das Moxakraut direkt auf die Haut zu bringen. So erzielt man eine sehr genaue Wirkung auf den Akupunkturpunkt. Das kann durchaus soweit gehen, dass ein Moxakegel direkt auf der Haut abbrennt. In China und Japan geht man das Risiko von dabei entstehenden Brandblasen durchaus bewusst ein – bei uns ist das eher unüblich und der Therapeut versucht immer den glühenden „Moxakegel" rechtzeitig zu löschen oder von der Haut zu nehmen. Also: etwas für Fachleute!

Im Unterschied zur Moxazigarre – die ja eher sanft angewandt wird – ist bei der direkten Moxibustion ein kurzer, stechender Reiz zu verspüren. Dieser Impuls hat einen im Vergleich zur kräftigenden, wärmenden Wirkung der Moxazigarre mehr zerteilenden und Blockaden lösenden Effekt.
Kleine, kurze, aber recht heftige Reize haben generell einen erstaunlichen Effekt bei hartnäckigen Schmerzen und Ansammlungen – diese Methode ist jedoch nichts für den Hausgebrauch!

Technik

Ein kleines Stückchen Moxawolle feinster hellgelber Qualität von der Größe eines Reiskorns wird fest gedreht und auf die gegebenenfalls angefeuchtete Haut gelegt. Mit einem Räucherstäbchen wird es dann angezündet und glimmt recht schnell herunter auf die Haut. Sobald dies geschehen ist (Aua!), entfernt der Therapeut den abgebrannten Kegel sofort mit Pinzette oder Fingern. Diese Prozedur kann einige Male wiederholt werden, damit sich die Wirkung verstärkt. Die direkte Moxibustion sollte selbstverständlich weder bei Kindern, noch bei Patienten mit eingeschränkter Sensibilität angewendet werden.

Die Wirkung des Moxakrauts lässt sich noch verstärken: Wenn dessen Wärme und heilende ätherische Öle allein nicht ausreichen, wird Ihr Therapeut „Isolatoren" unter die glimmenden Kegel legen. Das kann zum Beispiel eine Ingwerscheibe oder ein Brei aus Heilpflanzen sein.
Diese werden dann gut erwärmt und entfalten zusätzliche Heilkraft.

Durch die gut durchblutete Haut können die ätherischen Öle bestens vom Körper aufgenommen werden.

Moxawolle kostet je nach Qualität 0,02 bis über 1,00 €/Gramm. Klebekegel erhält man für etwa 0,10 €/Stück. Die Moxibustion beim Therapeuten wird meist als Zusatzmethode zur klassischen Nadel-Akupunktur eingesetzt. Separat können 5 bis 15 Euro berechnet werden – aber: Die Erstattung durch Beihilfestellen ist oft problematisch!

Dieser Beitrag wurde für Sie geschrieben von der Praxis Noll für TCM, München-Berlin, www.praxis-noll.de

Hier ein Link zu einem Patientenratgeber des Autors.

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